Motivationstraining: Warum es sich lohnt, aufzustehen, wenn man am Boden liegt

Am 10. Okto­ber 2019 durf­te ich als Gast am Son­der­päd­ago­gi­schen För­der­zen­trum St. Zeno in Bad Rei­chen­hall einen Vor­trag hal­ten und der Fra­ge nach­ge­hen, was einen Men­schen dazu antreibt, immer wie­der die eige­nen Gren­zen zu über­schrei­ten. Die Schü­ler hat­ten durch ihren Leh­rer Mat­thi­as San­dau vor mir und mei­nem „Grö­ßen­wahn“ erfah­ren. Er hat­te mei­nen Start beim Schwe­be­bahn­lauf mit der Kame­ra beglei­tet hat und war auch den Fisherman´s Friend Strongman­run in Köln als mein Begleit­läu­fer mit­ge­lau­fen. So beein­druckt von der Leis­tung und der emo­tio­na­len Doku­men­ta­ti­on, woll­ten sie mich unbe­dingt kennenlernen.


Erste Autogrammwünsche

Also mach­te ich mich am 09. Okto­ber 2019 auf den Weg nach Bad Rei­chen­hall. Schon am Abend vor dem eigent­li­chen Vor­trag hat­te ich das Ver­gnü­gen, ein paar der Schü­ler ken­nen zu ler­nen.

Gemein­sam mit Mat­thi­as San­dau woll­ten wir uns noch das Räum­lich­kei­ten anschau­en, um letz­te Vor­be­rei­tun­gen für mei­nen Vor­trag abzu­klä­ren und durch­zu­füh­ren. Als ich aus dem Auf­zug der Schu­le stieg, erkann­ten mich die jün­ge­ren Schü­ler sofort und emp­fin­gen mich mit den Wor­ten: “Du bist doch die, die die­sen Lauf mit­ge­macht hat. Bekom­men wir ein Auto­gramm?” Die Mög­lich­keit, ein per­sön­li­ches Auto­gramm mit Wid­mung von mir zu erhal­ten, beka­men die Schü­ler dann einen Tag spä­ter im Anschluss des Vor­tra­ges. Dazu haben wir am Abend noch extra eine Auto­gramm­kar­te vor­be­rei­tet.

Die Freu­de der Kin­der, mich zu sehen, half mir dabei, die auf­kom­men­de Ner­vo­si­tät in Gren­zen zu halten.


Wie funktioniert eine Prothese?

Am nächs­ten Mor­gen wur­de ich dann um 10.00 Uhr abge­holt und in die Schu­le gefah­ren, um 11.15 Uhr soll­te mein Vor­trag begin­nen. Lei­der war es mir an die­sem Mor­gen – trotz größ­ter Anstren­gung – nicht mög­lich, mei­ne Pro­the­se anzu­zie­hen, da ich mei­nen Stumpf bei der Anrei­se mit der Bahn und im Flug­zeug über­las­tet hat­te und die­ser ange­schwol­len war. Um den Schü­lern aber trotz­dem zu erklä­ren wie so eine Pro­the­se funk­tio­niert, habe ich sie mit­ge­nom­men und an die Wand gelehnt.

Für den Vor­trag hat­ten wir im Vor­feld eine Power Point Prä­sen­ta­ti­on vor­be­rei­tet, in der noch ein­mal Fotos vom Schwe­be­bahn­lauf und vom Fisher­mans Strong­man Run gezeigt wur­den. Es ist leich­ter, den Schü­lern das Han­deln und die eige­ne Moti­va­ti­on an Fotos zu ver­an­schau­li­chen, wenn sie die Emo­tio­nen in den Bil­dern erkennen.


So trainiere ich meine Motivation

Doch was treibt mich dazu an, immer wie­der neue Her­aus­for­de­run­gen anzu­neh­men, die das Leben an mich als Pro­the­sen­trä­ge­rin stellt? Jeder von uns hat eine Fähig­keit, die von gro­ßer Wich­tig­keit für die Gesell­schaft sein kann. Ich muss sie nut­zen, um neue Din­ge, neue Her­aus­for­de­run­gen zu schaf­fen, statt an Auf­ga­ben zu schei­tern, die sinn­los sind oder nicht zu mir pas­sen. Wenn du kurz davor bist, das Hand­tuch zu wer­fen… – den­ke ein­fach dar­an, dass du mit dei­nem Han­deln even­tu­ell ande­re moti­vie­ren könn­test, nie­mals auf­zu­ge­ben. Wie oft geben wir auf, wäh­rend unser Ziel oder wenigs­tens der nächs­te gro­ße Schritt nur weni­ge Zen­ti­me­ter ent­fernt ist?

Auch ich habe Tage, erklär­te ich den Schü­lern, an denen ich mich fra­ge: „Wozu mache ich das gan­ze über­haupt?“ Man hat nicht jeden Tag die glei­che Kraft zu sagen, ich zie­he das Gan­ze jetzt durch. Und doch lohnt es sich, immer wie­der Din­ge neu aus­zu­pro­bie­ren, sich neu­en Auf­ga­ben und Her­aus­for­de­run­gen zu stel­len.

Die Schü­ler beka­men von mir wäh­rend des Vor­tra­ges die Mög­lich­keit, Fra­gen zu stel­len und ich habe sie immer wie­der per­sön­lich mit ein­ge­bun­den. Das schafft eine Ebe­ne, einen Zugang zu den jun­gen Men­schen, bei dem man ihnen zeigt, dass man nicht anders ist. Ganz wich­tig war mir den Schü­lern einen Rat­schlag mit auf den Weg zu geben:

„Es kommt im Leben nicht dar­auf an, wie hart du zuschla­gen kannst,
son­dern wie viel du ein­ste­cken kannst und trotz­dem wie­der auf­stehst.
Das Leben bedeu­tet, nicht immer zu gewin­nen,
son­dern durch­zu­hal­ten, an sich zu glau­ben und nie­mals aufzugeben!“

Eben genau die­ser Aspekt wird an der Schu­le ganz groß­ge­schrie­ben: Kon­flik­te selbst­stän­dig zu lösen und posi­ti­ves Ver­hal­ten zu ver­stär­ken.

Als Erin­ne­rung an mei­nen Besuch erhiel­ten die Schü­ler von mir ein Moti­va­ti­ons­arm­band, eigens von mir ange­fer­tigt, und die Auf­ga­be, sich Gedan­ken über den Vor­trag zu machen und die­se dann fest­zu­hal­ten. Die Schü­ler konn­ten hof­fent­lich dies als Moti­va­ti­on mit in ihr Prak­ti­kum neh­men, wel­ches am Mon­tag danach begann.

Das Arm­band soll sie an vier wich­ti­ge Din­ge im Leben erinnern:

  • STARK zu sein
  • ERFOLG zu haben
  • KRAFT zu haben
  • MUT zu haben

Nach­dem Vor­trag bekam ich noch die Gele­gen­heit, mit einer der bei­den Schul­lei­te­rin­nen ein paar Wor­te zu wech­seln. Sie lud mich ein, wie­der zukom­men und dann vor den Leh­rern einen ähn­li­chen Vor­trag zu hal­ten.

Beson­ders habe ich mich über die Reak­tio­nen auf mei­nen Besuch in Bad Rei­chen­hall gefreut: Es gab einen gro­ßen Bericht im „Rei­chen­hal­ler Tag­blatt“ über mei­nen Vor­trag und auch auf der Home­page des Son­der­päd­ago­gi­schen För­der­zen­trums St. Zeno ist ein Bericht mit vie­len Fotos über mich zu fin­den.


Was hilft Ihnen/​Dir nicht auf­zu­ge­ben, auch wenn man kurz davor steht? Über einen Kom­men­tar wür­de ich mich sehr freuen!

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