Mein Krankenhaustagebuch – Aufnahme und Operation

Dienstag, 26. Jänner 2021 – Vorbereitung und Besprechung der Operation

Die Auf­nah­me im Spi­tal steht an – und stellt mich vor unge­ahn­te Schwie­rig­kei­ten. Gera­de in die­sen sehr schwe­ren Zei­ten, ist eine sol­che Auf­nah­me nicht leicht. Der Mara­thon im Spi­tal beginnt: Wie ich ja bereits erwähnt habe, war heu­te der Tag der Auf­nah­me im Lan­des­kran­ken­haus – Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Graz.

Der gest­ri­ge Tag daheim ging trotz der Anspan­nung sehr schnell vor­bei. Ich habe ver­sucht, irgend­wie zur Ruhe zu kom­men. Doch ging das überhaupt?

Nicht so wirk­lich… Ich habe in der Nacht sehr schlecht geschla­fen, füh­le mich abge­schla­gen und antriebs­los. Mir gin­gen ein­fach so vie­le Gedan­ken durch den Kopf…

Aber nichts­des­to­trotz hieß es für mich um 5.45 Uhr auf­ste­hen, anzie­hen, früh­stü­cken und noch ein­mal über­le­gen, ob man auch wirk­lich alles ein­ge­packt hat. In die­ser Zeit ist es ja nicht so leicht, mal eben schnell etwas ins Spi­tal gebracht zu bekom­men. Lei­der darf in die­ser Zeit kein Ange­hö­ri­ger bezie­hungs­wei­se kei­ne nahe­ste­hen­de Per­son ins Spi­tal – am Ein­gang ist Schluss!

Die Ner­vo­si­tät stieg immer mehr, ein flau­es Gefühl mach­te sich in mir breit.

Bloß nichts vergessen!

Habe ich wirk­lich an alles gedacht?

Um 7.00 Uhr mach­ten wir uns dann auf den Weg, woll­te ich doch pünkt­lich im Spi­tal sein. Am Ein­gang wur­den die Tem­pe­ra­tur gemes­sen und die Per­so­na­li­en über­prüft. Nun hieß es war­ten, bis ich von einem Trans­port auf die Sta­ti­on geführt wur­de. Hier muss­te ich mich einem PCR-Test unter­zie­hen, bevor die Auf­nah­me­for­ma­li­tä­ten erle­digt wur­den. Dann gin­gen auch das nor­ma­le Auf­nah­me­pro­ze­de­re wei­ter: Blut­ab­nah­me und Zugang legen, EKG, Nar­ko­se­ge­spräch, usw. …

Gegen 13.30 Uhr durf­te ich dann auch end­lich mein Zim­mer bezie­hen. Das Gespräch mit dem Arzt stand aber noch bevor. 


Tja, was soll ich sagen – es traf mich wie ein Schlag mit­ten ins Gesicht: Plötz­lich wur­de sogar die Hemi­pel­vek­to­mie ins Gespräch gebracht, abhän­gig davon wie das Ergeb­nis der Schnell­bi­op­sie wäh­rend der Ope­ra­ti­on ausfällt. 

So, jetzt heißt es aber für mich ver­su­chen etwas zur Ruhe zu kom­men. Die Nacht wird kurz, wer­de ich doch bereits mor­gen um 7.00 Uhr zur Vor­be­rei­tung gebracht.

Mittwoch, 27. Jänner 2021 – der Tag der Hüftexartikulation

Wie soll­te es auch anders sein – die Nacht war die abso­lu­te Höl­le. Wie oft ich wach war, kann ich gar­nicht genau sagen. 

Irgend­wann habe ich auf­ge­hört zu zählen.

Dem ent­spre­chend müde war ich auch noch, als um 5.15 Uhr mein Wecker klin­gel­te, um mich für die Ope­ra­ti­on fer­tig zu machen. 

Noch ein letz­tes Mal ver­nünf­tig duschen… 

Um 6.00 Uhr bekam ich dann mei­ne ers­ten drei Infu­sio­nen: Anti­hist­ami­ni­ka die ver­hin­dern, dass ich eine all­er­gi­sche Reak­ti­on auf ein Schmerz­mit­tel bekom­me. Ab dann hieß es war­ten. Obwohl ich fest für 7. 00 Uhr ein­ge­plant war, ver­zö­ger­te sich mei­ne Ope­ra­ti­on auf 9.30 Uhr.

Wie eine Ope­ra­ti­ons­vor­be­rei­tung abläuft, brau­che ich glau­be ich nicht erklä­ren. Bei mir jedoch wer­den ein paar mehr Vor­sichts­maß­nah­men getrof­fen, da ich ziem­lich vie­le All­er­gien auf Medi­ka­men­te habe – allein drei Anäs­the­sis­ten stan­den mir zur Sei­te. Es wur­de Zeit, die PDA zu legen, bevor ich mich dann pünkt­lich um 10.00 Uhr ins Reich der Träu­me ver­ab­schie­det habe. 

Irgend­wann gegen 16.00 Uhr brach­te man mich wie­der auf mein Zimmer.

Hat­te ich mich noch auf schö­ne Träu­me gefreut, war nach der rund zwei­stün­di­gen Ope­ra­ti­on davon nichts mehr übrig. Es wur­de ein wah­rer Alp­traum – ich bin durch die Höl­le gegan­gen. Die­se Schmer­zen wünscht man noch nicht mal sei­nem ärgs­ten Feind.

Ein­fach schrecklich…

Aber das wich­tigs­te war für mich, nun hof­fent­lich krebs­frei zu sein!


Wie es mir in den Tagen nach der Ope­ra­ti­on ergan­gen ist, lest ihr in mei­nem nächs­ten Bei­trag. Wie immer wür­de ich mich über einen Kom­men­tar von euch freuen…

11 Antworten auf „Mein Krankenhaustagebuch – Aufnahme und Operation“

  1. Ein­drucks­voll geschrie­ben .Kann so gut mit dir füh­len .Bin selbst Hüftex ampu­tiert .Am schlimms­ten war vor der OP die Nach­richt das ich hemi­pel­vek­to­miert wer­den sollte.Schlaflos ‚nicht in Seat­tle aber in Heidelberg.
    Die Phan­tom­schmer­zen waren so hef­tig das ich mehr­mals ohn­mäch­tig wurde.
    Erwar­te mit Span­nung dei­ne wei­te­ren Einträge.

  2. Hal­lo Sig­run, es ist Waaaahn­sinn, was du alles durch­ma­chen muss­test, für einen Außen­ste­hen­den kaum vor­stell­bar. Gut dass du alles so direkt beschrie­ben hast, sonst denkt man, es sei nicht soooo schlimm. Es schau­dert einen, das hier zu lesen, wirk­lich Wahn­sinn. Ich kann dich nur bewun­dern, wie tap­fer du bist. Es ist ein Wahn­sinns­lei­den, was die meis­ten Leu­ten in ihren schlimms­ten Träu­men nicht vor­stel­len kön­nen. Wenn man eine schö­ne lächeln­de ampu­tier­te Frau sieht, dann denkt man in ers­ter Linie an die kör­per­li­chen Ein­schrän­kun­gen und nicht an das schreck­li­che Leid, was die betrof­fe­nen durch­ma­chen müs­sen. Du kannst es wirk­lich super über­spie­len. Ich kann es mir nur annä­hernd vor­stel­len, wie du dich fühlst, in Wirk­lich­keit ist es für dich die Höl­le. Un du denkst immer noch an Sport, Hut ab. Jetzt musst du dich aber mög­lichst scho­nen. Wenn man dich auf den Bil­dern sieht, wie schön du lächelst, wie leicht, ele­gant und unge­zwun­gen du an Krü­cken gehst, könn­te man mei­nen, es sei alles in bes­ter Ord­nung. Gut dass du hier alles so detail­liert beschreibst. Glau­be mir – auch für einen nicht betrof­fe­nen ist es schreck­lich zu lesen. Man kann dich viel bes­ser ver­ste­hen. Es freut mich aber, dass es dir wenigs­tens ein klein Biss­chen bes­ser geht und dass du wie­der Auto fah­ren kannst. Mach wei­ter so, du bist stark, du schaffst es!

    1. Hal­lo,
      von die­ser Stel­le aus mal ein ganz gro­ßes Dan­ke­schön für dei­nen Kommentar.
      Ja, vie­le sehen in mir immer nur die Frau die immer lächelt, gera­de des­we­gen habe ich genau die­ses Tage­buch geführt.
      LG

      1. Das war die abso­lut rich­ti­ge Ent­schei­dung. Leu­te sol­len erfah­ren, welch ein Hor­ror hin­ter dem gan­zen steckt, sonst sieht man nur die schö­ne Fas­sa­de, ich mei­ne dein schö­nes, freund­li­ches Lächeln und dein attrak­ti­ves Äuße­res. Die unend­li­chen Schmer­zen sieht kei­ner und manch einer kommt viel­leicht gar nicht auf den Gedan­ken, dass du wel­che hast. Ich wün­sche dir trotz allem einen schö­nen Sonn­tag und halt die Ohren steif! LG Normunds

  3. Hal­lo Sigrun,
    sehr ein­drucks­vol­le Schil­de­rung dei­ner aufs und abs sowie der zu ertra­gen­den Schmer­zen. Beein­dru­ckend jedoch vor allem dein schier unend­li­cher Optimismus.
    Kämp­fe lohnt sich, nach weiter!
    Wün­sche dir einen schnellst­mög­li­chen und vor allem schmerz­ar­men Heilungsprozess.
    Vie­le Grüße!
    Hans-Jürgen
    Ps. Bin mit dem Blog als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel nicht ganz so ver­traut, habe dir daher bereits vor ca. drei Wochen eine E‑Mail zugeschickt

    1. Guten Mor­gen,
      ja mit mei­nem Opti­mis­mus ste­he ich manch­mal im Kon­flikt. Der Kopf möch­te mehr als mein Kör­per es zulässt.
      Eine Mail habe ich nicht erhal­ten… kann aber auch sein das sie im Spam Ord­ner gelan­det ist und sie dann gelöscht habe.
      Wenn du magst schrei­be mir noch­mal ich ach­te dann darauf.
      LG

      1. Hal­lo,
        die­ser Kon­flikt ist mir nicht ganz unbe­kannt… aber stell dir vor es wäre umge­kehrt und dir wür­de die Moti­va­ti­on und Opti­mis­mus feh­len… nicht anzudenken.
        Hab dir die Mail noch­mals zugesandt.
        Im übri­gen steigt die Spannung.…..
        LG

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