Es lebe das Leben – wenn auch verrückt

Wie durchgek­nallt und ver­rückt muss man eigentlich sein, wenn man zwei 5 km-Läufe an einem Woch­enende bestre­it­en möchte?

Wie ja alle wis­sen, ist es ger­ade in der jet­zi­gen Zeit schw­er, sportliche Großver­anstal­tun­gen umzuset­zen. Umso mehr freut es mich, dass es einige Organ­i­sa­tio­nen gibt, die auf die virtuelle Umset­zung zurück­greifen.

Über Face­book wurde ich auf den Mitt­som­mer­lauf aufmerk­sam und schnell stand für mich fest: diesen werde ich bestre­it­en. Nur bei der Startzeit war ich erstaunt, war diese doch tat­säch­lich mor­gens für 5.16 Uhr ange­set­zt. Aber egal – bekan­ntlich frisst der frühe Vogel den Wurm. Also habe ich mich für den Start am 21. Juni 2020 angemeldet. Eine extra Klasse für „Behin­derte“ gab es auch hier nicht. Allerd­ings wurde bei der Anmel­dung in unter­schiedliche Alter­sklassen unter­schieden – und ich fiel in die „AK 50“.

Ein paar Tage später wurde dann über Radio Wup­per­tal bekan­nt gegeben, dass auch der Schwe­be­bahn-Lauf an diesem Tag virtuell stat­tfind­en wird. Tja, jet­zt stand ich vor ein­er wichti­gen Entschei­dung: Hat­te ich doch auf der Face­book­seite meines „Team Sigrun“ den Schwe­be­bahn-Lauf als Event gepostet, an dem ich teil­nehmen werde. Nun gut – es gab kein zurück! Auch dafür habe ich mich reg­istri­ert.

Einige von euch haben ja bere­its mit­bekom­men, dass ich seit ger­aumer Zeit regelmäßig ins Schwimm­train­ing über die Dis­tanzen von 1000 m bis 1500 m gehe, um Kon­di­tion aufzubauen. Was soll ich sagen? Es macht sich bemerk­bar. Doch dazu aber später mehr.

Am Son­ntag mor­gen klin­gelte somit pünk­tlich um 3.30 Uhr der Weck­er. Der erste Gedanke war nur: Was hast du da nur vor??? Egal! Mein Früh­stück fiel nicht zu üppig aus, ich machte mir einen Eiweißshake mit frisch­er Banane und einen großen Kaf­fee.


Um kurz vor halb fünf ging es dann Rich­tung Start/​Ziel. Zwei Wochen zuvor hat­te ich mich auf der Wup­per­taler Nord­bah­n­trasse umgeschaut und eine für mich angenehme Strecke mit weitest­ge­hend wenig Stei­gung gefun­den. Die Nord­bah­n­trasse wurde vor ein paar Jahren in einen Rad‑, Fuß und Skater­weg umge­baut. Ursprünglich ver­lief hier die Strecke der Rheinis­chen Eisen­bah­nge­sellschaft – also eine opti­male Strecke für mich. Und zu meinem Glück befan­den sich zu dieser sehr unchristlichen Zeit sehr wenige Läufer auf dem Abschnitt .

Mit einem sehr zügi­gen Tem­po bei angenehmen 13 °C startete ich dann Rich­tung Bar­men Mitte und bere­its nach gut 32 Minuten hat­te ich den Wen­depunkt erre­icht. Jet­zt ging es zurück zum Ziel. Obwohl ich auch dieses Mal mit Stumpf­prob­le­men klar kom­men musste, schaffte ich es doch, das Tem­po weitest­ge­hend zu hal­ten. Über­glück­lich kam ich dann nach 1:02:38 h ins Ziel. Ich hat­te es doch tat­säch­lich geschafft, meine Zeit vom let­zten Jahr um 15:16 Minuten zu verbessern.


In mein­er Alter­sklasse belegte ich Platz 44, im Gesam­trank­ing belegte ich Platz 304 von ins­ge­samt 470 Teil­nehmern – somit hat­te ich es tat­säch­lich geschafft, nicht als Let­zte in Ziel zu kom­men.

Geschafft !!!

Jet­zt hieß es „Ab nach Hause!“, um sich etwas zu regener­ieren, war ja für Mit­tags der Start beim Schwe­be­bahn-Lauf geplant. Um 13.21 Uhr fiel auch hier der Startschuss. Das Laufen war dieses mal bei weit­em nicht so angenehm wie noch am Mor­gen. Die Tem­per­atur war auch mit­tler­weile auf 24 °C angestiegen und knallte bei wolken­losem Him­mel nur so herab. Auch war die Trasse voll mit rück­sicht­slosen Rad­fahrern, die mein­ten, die Trasse würde nur ihnen gehören. Schnell habe ich mich zurecht gefun­den und bin am äußeren Rand gelaufen. Fußgänger, die mir ent­ge­gen kamen, macht­en mir Platz, da ich ja mit mein­er Start­num­mer als Läuferin gut zu erken­nen war. Lei­der macht­en sich auch hier schnell Stumpf­prob­leme bemerk­bar. Jedoch falle ich dann – wie früher – in einen soge­nan­nten „Tun­nel“, bei dem ich nur noch meinen Lauf im Kopf habe.

Mit ein­er Zeit von 0:59:30 über­trat ich dann an diesem Tag das zweite Mal die Ziellinie. Mit fast 4 Minuten hat­te ich die Zeit vom Mor­gen nochmals deut­lich verbessern kön­nen. Glück­lich habe ich die Ziellinie geküsst. Lei­der gibt es von diesem Lauf kein Rank­ing oder eine Ergeb­nis­liste, da jed­er sich seine Start­num­mer sel­ber vergeben kon­nte und eine Ergeb­nis­liste nicht veröf­fentlicht wurde.

Doch was hat das ganze jet­zt mit dem Schwimm­train­ing zu tun? Ich sage es euch. Durch mein Schwimm­train­ing baue ich enorm an Muskeln und Kon­di­tion auf und lerne, mir meine Kraft bess­er einzuteilen. Für mich ist das die effek­ti­vere Lösung zu trainieren, hier beanspruche ich die kom­plette Musku­latur. Mein Stumpf bekommt damit deut­lich weniger Stumpf­schwankun­gen als bei einem Train­ing im Fit­nessstu­dio.

Was ich wieder ein­mal mehr merke: Es wird ein Aufgeben für mich nicht geben, egal was noch kommt. Über die weit­eren sportlichen Events, die ich für dieses Jahr geplant habe, kann ich noch nicht viel sagen. Schauen wir, wie sich die aktuelle Lage um Coro­na entwick­eln wird.

Ich würde mir wün­schen, wenn ich mit solchen Aktio­nen es schaffe, die Sichtweise auf uns Behin­derte zu verbessern. Auch wenn wir eine Ein­schränkung haben, sind wir doch ganz nor­mal und brin­gen manch­mal mehr zus­tande als jemand, der nicht behin­dert ist.

Einen ganz großen Wun­sch habe ich noch zum Schluss: Ich möchte endlich in den Genuss ein­er speziellen Sport­prothese kom­men. Lei­der hat mir die Krankenkasse eine solche Ver­sorgung nicht genehmigt. Vielle­icht find­et sich jemand, der bere­it ist, mich dabei zu unter­stützen???

Wer mich dabei unter­stützen möchte, kommt hier zu meinem Fundrais­ing.

Nach­fol­gend find­et Ihr die Links zu Zeitungsar­tikeln, in denen über mich und meine bei­den Läufe berichtet wurde:

Bericht in der Online-Aus­gabe der West­deutschen Zeitung vom 24. Juni 2020
Bericht in der Rons­dor­fer Wochen­schau vom 1. Juli 2020
Bericht im Ober­bay­ern-Sport­teil des Reichen­haller Tag­blatts vom 1. Juli 2020

Ihr dürft also weit­er ges­pan­nt sein. Habt ihr auch ein paar sportliche Events geplant?

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